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Pestizidbelastung der Luft

Eine Zusammenfassung

 

 

 

In mittlerweile 3 Studien zum Thema flüchtige Pestizide wurde nachgewiesen, dass Wirkstoffe aus Pflanzenschutzmitteln viel weiter und öfter verfrachtet werden als angenommen und bei der Zulassung berücksichtigt.

 

Für die meisten PSM gilt ein Ausbringungsverbot bei einer Windgeschwindigkeit von über 5m/sek. Das reicht aber offensichtlich nicht aus.

 

2014 bis 2018 wurde mit extra entwickelten Passivsammlern vom Umweltinstitut München erstmals in Südtirol in der Gemeinde Mals gemessen, dass und wie weit Pestizide in der Luft durch Wind verfrachtet werden können. Obwohl selbst die EFSA bestreitet, dass Glyphosat durch die Luft getragen werden kann, konnte in dieser Untersuchung aber genau das zum ersten Mal nachgewiesen werden. Glyphosat ist eigentlich nicht flüchtig und wirkt auf und im Boden. Durch Anhaftungen an kleinste Bodenpartikel kann es bei Wind trotzdem kilometerweit getragen werden.

 

 

 

2019 wurde dann eine Studie veröffentlicht, die im Auftrag vom Bündnis Enkeltaugliche Landwirtschaft 2018 durchgeführt wurde. In Deutschland wurden an 47 Standorten Proben von Baumrinden genommen und vom Umweltbüro TIEM auf Rückstände von über 500 Pestizid-Wirkstoffen getestet. Dieses Biomonitoring der Pestizid-Belastung der Luft mittels Luftgüte-Rindenmonitoring ergab ebenfalls Glyphosatnachweise an allen Standorten.

 

 

 

Eine weitere, vertiefende Studie wurde ebenfalls im Auftrag vom Bündnis Enkeltaugliche Landwirtschaft und dem Umweltinstitut München 2019 durchgeführt und im Sept. 2020 veröffentlicht. Diesmal wurden an 116 Standorten, auch in Schutzgebieten, 4 verschiedene Methoden zur Messung angewendet. Neben den Passivsammlern und dem Rindenmonitoring wurden auch Filtermatten aus Klima- und Lüftungsanlagen untersucht, sowie auch Bienenbrot, also eingelagerter Pollen in Bienenvölkern, der der Aufzucht der Larven auch im Herbst und Winter dient. Mit der Standortnummer 923 wurde auch eines meiner Bienenvölker beprobt.

 

 

Getestet wurde auf über 500 verschiedene Wirkstoffe, auch auf solche, die nicht in der Landwirtschaft angewendet werden. Dazu zählten Repellents, aber auch Anthrachinon, das beim Verbrennungsprozess entsteht und in ca. 50% der Bienenbrotproben gefunden wurde. Was nicht wundert, wenn man weiß, dass die meisten Imker ihre Völker nur unter Anwendung von Rauch aus dem Smoker öffnen.

 

In allen Passivsammler- und Filtermattenproben wurde Glyphosat und in fast allen auch der Metabolit AMPA gefunden, dagegen aber in keiner Bienenbrotprobe. Altlasten, wie DDT und Lindan, wurden besonders häufig im Nordosten der Republik nachgewiesen. Bei den meisten der 138 gefundenen Wirkstoffe ist bundesweit ein Nord-Süd-Gefälle zu sehen, was wahrscheinlich mit der Landschaftsstruktur zu tun hat.

 

 

Nach diesen Ergebnissen macht nicht nur die direkte Kontamination durch Abdrift von konventionell bewirtschafteten Nachbarfeldern Probleme für den Ökologischen Landbau, sondern auch der Ferntransport von Pestiziden aus dem weiteren Umfeld. Dies sollten zukünftig die Regularien bei der Zulassung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen berücksichtigen und auch die Abdrift muss stärker reglementiert werden.

 

 

 

 

Auf den Seiten des Umweltinstituts gibt es noch weitere Infos und Links zum Thema.

 

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