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Gentechnologie für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ?

Webinar 23.7.21, Die Grünen im Europaparlament

Zusammenfassung:

 

Referentin:    Irene Sacristan Sanchez, European Commission

 

Vorschlag, "neue"Gentechnik von Regulierung auszunehmen wobei vollständig die Industrie-Argumentation übernommen wird,

Im Detail: 

  •  "neue" Gentechnik sind einen diverse Gruppe von Techniken, deshalb wird ein Fall-zu- Fall Ansatz in der Überprüfung angestrebt [irgendwie ist der Referentin unklar, dass das eher gegen Reduzierung von Überwachung spricht]
  • es sind viele Organismen in der Entwicklung, die Stresstoleranz etc. adressieren
  • Übernahme der EFSA-Einschätzung: 
  • keine Risiken über die konventioneller Techniken hinaus
  • was man mit targeted mutagenesis und "cisgenesis" machen kann ist auch mit konventioneller Züchtung möglich
  • momentan unterliegen diese Züchtungen der normalen EU-Rechtsprechung
  • veränderungen wegen neuer Technologien angestrebt
  • speziell Änderungen angestrebt wenn die Organismen kein fremdes gentisches Material enthalten
  • "neue" Gentechnik kann zu den Zielen der Farm to Fork Initiativen beitragen

 

 Referentin:    Angelika Hilbeck, European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER)

  •  die Kommission will die Regulation für cisgenetische und targeted mutagenesis ändern
  •  ENSSER Grundposition:  neue Techniken können nützlich und schädlich sein. Gerade wenn sie neu sind erfordern sie verstärkte Aufmerksamkeit. Techniken, die zu Freisetzung von Organismen führen sind in ihren ökologischen Auswirkungen nicht vorhersehbar. Daher müssen sie so stringent überwacht werden wie "alte" Gentechnik, eher mehr.
  •  dies gilt umso mehr als die neuen Techniken Veränderungen in einer Geschwindigkeit erlauben die mit der bisher bekannten nicht vergleichbar ist.
  •  charakteristisch ist, dass diese Techniken a) Deletionen und Veränderungen an vielen Stellen gleichzeitig  b) gleichzeitig an vielen verschiedenen Stellen und c) an besonders geschützten Stellen im Genom erlauben.
  • -charakteristisch ist es, dass "präzise und sichere" Veränderungen im Genom vorgenommen werden bei typischerweise völliger Unkenntnis des metabolischen und ökologischen Kontextes
  •  typische ökologische Interaktionen auf einer Farm: 560 Taxa, (Pflanzen und 10 Tiergruppen) 1500 Interaktionen.
  •  Mais Samenentwicklung: 15 genetische Netzwerke mit fast 100% Interaktion.
  •  Trockenstress in Mais: 844 Gene
  •  Gentechnik ist gut für alles was mit Punktmutationen zu erledigen ist.
  •  Trockenresistenz wird seit den 1980er Jahren versprochen
  •  es gibt sei 2006 ein erfolgreiches Trockenheits-Toleranz-Projekt für Mais. Es erbrachte 20-30% höhere Erträge und hilft zur Zeit 30-40 Millionen Menschen in 13 afrikanischen Ländern - mit konventioneller Zucht. Bis 2016 erbrachte es 233 Mais-Varianten.

 

 

 Referent:    Sebastian Kussmann, Plant breeding association Peter Kunz (gzpk) (Switzerland/Germany)

  • Ziel von biodynamischer Pflanzenzüchtung ist es, lokal angepasste Sorten zu erzeugen, die Interessen der lokalen Landwirte und aller Beteiligten zu berücksichtigen und diverse Mischungen von Haupt und Nebenfrüchten zu erzeugen.
  • wir müssen von den bestehenden Problemen ausgehen, die zu lösen sind
  • stattdessen versuchen wir mit untauglichen Mitteln Probleme zu lösen, die vom Produktionssystem erzeugt werden.
  • momentan werden "cash crops" für den internationalen Norden entwickelt weil damit am meisten Geld zu verdienen ist. Mehr GABA in Tomaten, "high fiber" Weizen und Kirschen ohne Kerne
  • was nicht geliefert wird:
    • - Reduktion von Pestiziden/Herbiziden - widerspricht kommerziellen Interessen.
    • - Biodiversität ( minor crops sind kommerziell uninteressant)
    • - Zugänglichkeit für alle: Patente sperren kleine Züchter aus
  • Es gibt 2 Richtungen für die Entwicklung: a) Biotechnologie (alle Merkmale in einer Pflanze)  b) Agroökologie (Interaktion diverser Pflanzen)
  • Geld gibts praktisch nur für Biotechnologie
  • Beispiel PILTON-Projekt: Silencing eines Gens: Pflanze produziert permanent Giftstoff gegen Pilz, daher ist die Pflanze belastet (Minderertrag), es besteht ein erhöhtes Risiko der Resistenzzüchtung und es wird die positive Interaktion mit Pilzen im Wurzelbereich der Pflanze unterdrückt.
  • Folgerungen aus Freigabe der "neuen" Gentechnologie wären:
    • -  Entwicklungen die der Farm to Fork Strategie direkt entgegenlaufen
    • -  Agroökologische Züchtung würde benachteiligt
    •  - Zugang zu genetischem Pool wird für Züchter beschränkt: der freie Austausch durch das Züchterprivileg wird abgeschafft
    • -  Zugang zu Technologie für kleine Züchter ist durch Patente beschränkt

   

Referent: Cam Goff, National Farmers Union (NFU) (Canada)

Entwicklung in Kanada: Raps wurde an öffentlicher Hochschule entwickelt und dann in die Hände kommerzieller Züchter gegeben. 

Die Firmen (Bayer/Monsanto) haben nach und nach zunächst den Zugang zu Saatbehandlungs-Chemikalien eingeschränkt, schließlich den Zugang von Züchtern zu neuen Hybriden eingeschränkt (weil die bessere Erträge als GMOs hatten).

Heute ist es nicht mehr möglich eigenes Saatgut zu erzeugen, damit ist der GMO-Einsatz erzwungen. In Teilen von Kanada ist der Anbau von Öko-Raps nicht mehr möglich. 

Durch ein Gerichtsurteil (Schmeisser) ist eigenes Saatgut riskant: wenn genmodifiziertes Material gefunden wird kann der Erzeuger auch noch wegen Patentrechtsverletzung verurteilt werden. Pikant: eines der Argumente bei Einführung von GMOs war noch, sie könnten sich niemals auskreuzen.

Interessante Entwicklungen werden nicht weiterverfolgt: es gibt einen "haarigen" Raps, der durch Haare gegen eine Reihe von Schädlingen resistent ist und daher weniger Saatgut-Behandlung braucht. Er wird seit 40 Jahren nicht kommerzialisiert.

 

Referentin:     Linda Cognato, Non-GMO Project (USA)

Non-Profit der ein Label (on-pack label) betreibt indem er inzwischen 120 genetische Varianten in 67000 Produkten überwacht.

US-Gesetz zu Kennzeichnung kommt im nächsten Jahr und ist inkonsistent und untransparent

Der Markt ist in den USA fest in der Hand der GMOs: Raps, Zuckerrüben, Mais, Soja, Baumwolle >=90% GMOs

bislang 5 Produkte der "neuen" Technologie: Arctic Apple (nicht bräunend), Innate Potatoe (nicht bräunend, verletzungsresistent), Del Monte Pinkglow Pineapple (pink statt gelb), Calyxt Soy (Ölsäure angereichert), Cibus Raps (Herbizidresistenz)

 

diverse Feststellungen:

- es gibt zur Zeit keine kommerziellen Prodkte auf dem Markt, die mit Sustainability werben [Anm. des Kommentators: Innate Potatoe wird so beworben, das fällt aber dann wohl eher unter den Bereich Realsatire]

- es gibt keine belastbaren Feststellungen zu Sustainability

- Entwicklungsstategie und Inhalt der Pipelines verändern sich ständig

- es gibt eine generelle Tendenz zu überzogenen Versprechungen

- es gab bereits non-GMO Produkte, bei denen ein einfacher Blick in die Zulassungsunterlagen zeigte, dass sie GMOs waren

- die versprochenen schnellen Entwicklungen dank TALEN und CRispr scheinen sich nicht zu bestätigen, offensichtlich ist der Entwicklungszyklus immer noch im Bereich von Jahren

- die neuen Sorten (Calyxt HO Soy = Ölsaäure-Angereichertes Soja, SU Canola (Herbizidresistenz)) sind offensichtlich kommerziell nicht so erfolgreich: sie sind von Calyxt bzw. Cibus offenbar weiterverkauft worden.

 

Zusammenfassendes Statement:

man beachte, dass die Aufgabe der Prüfung bei freigesetzten Produkten gegen das Vorsorge-Prinzip, also die Rio-Konvention verstößt.

 

Bernd Wille

 

 

 

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