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Kleingewässermonitoring: UBA-Studie belegt Umweltschäden durch Pflanzenschutzmittel

Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pestiziden Teil 2

Download: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umsetzung-des-nationalen-aktionsplans-zur

NABU-Pressemitteilung dazu: https://www.nabu.de/modules/presseservice/index.php?popup=true&db=presseservice&show=37692

 

Auszüge aus der UBA-Pressemitteilung: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/wo-gespritzt-wird-nehmen-baeche-schaden

"In 80 Prozent der untersuchten Bäche in der Agrarlandschaft Deutschlands überschritten die gemessenen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln die festgelegten Grenzwerte. „Das Kleingewässermonitoring zeigt deutlich, dass unsere Gewässer nicht ausreichend vor Belastungen, insbesondere durch Pflanzenschutzmittelrückstände, geschützt sind“, sagt Dirk Messner, Präsident des UBA. „Trotz der bereits existierenden Umweltauflagen im Rahmen der Zulassung gelangen Pflanzenschutzmittel in teils zu hohen Konzentrationen in die Gewässer, die sich einzeln und als Mischung schädlich auf die Gewässerökologie auswirken.“...

"Die Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig konnten allerdings deutlich zeigen: in der Realität gelangen weit höhere Mengen an Pestiziden in die Gewässer als vorhergesagt. In jeder zweiten Wasserprobe überschritten Wirkstoffe, die in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden, die akzeptablen Konzentrationen. Zudem haben die Pestizidrückstände weit stärkere Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen im Gewässer als bislang angenommen. Die Lebensgemeinschaft der Insekten war in vier von fünf untersuchten Bächen nur in einem mäßigen bis schlechten Zustand." ...

"Zugelassen und trotzdem umweltbelastend

Im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel werden mögliche Umweltauswirkungen betrachtet. Basierend auf Modellannahmen und Laborversuchen werden hier Vorhersagen über den Verbleib der Pestizidwirkstoffe in der Umwelt getroffen. Gleichzeitig werden Maßnahmen zum Schutz der Umwelt festgelegt. Diese verpflichtenden Maßnahmen, die eigentlich Oberflächenabfluss verhindern sollen, scheinen in der Praxis aber nicht den erwarteten Effekt zu haben. Zum Teil fehlen solche Maßnahmen bei einigen älteren Pflanzenschutzmitteln gänzlich. Neues Wissen über die Risiken der einzelnen Wirkstoffe oder neue Bewertungsmethoden werden nicht schnell genug auch auf bestehende Pflanzenschutzmittel angewendet. Auch scheinen die Modelle und Annahmen des Zulassungsverfahrens die realen Belastungen durch Pestizide deutlich zu unterschätzen. Die Autor*innen des Kleingewässermonitorings kritisieren daher zahlreiche Lücken in der Pflanzenschutzmittel-Zulassung, sowie bestehende Ausnahmeregelungen bei den Maßnahmen, die die Gewässer eigentlich schützen sollen."

 

 

Aus der NABU-Pressemitteilung:

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: “Über Jahre hinweg werden Kleingewässer in ganz Deutschland unbemerkt mit hohen Mengen an Pflanzenschutzmitteln belastet. Erstmals wurde jetzt nachgewiesen, dass diese Belastung primär von landwirtschaftlichen Flächen ausgeht. Wesentliche Voraussetzung für diese Erkenntnis waren die vom NABU beantragten Pestizideinsatzdaten.... . Eine flächendeckende, digitale Einsatzdatenbank schafft mehr Transparenz und hilft, wichtige Rückschlüsse für Risikominderungsmaßnahmen, wie beispielsweise Gewässerrandstreifen, sowie deren Schutzwirkung zu ziehen.”...

Dr. Verena Riedl, NABU-Teamleiterin Biodiversität, ergänzt: “Die Ergebnisse des bundesweiten Pilotprojekts sind alarmierend. Dennoch ist bislang nicht vorgesehen, dass Kleingewässermonitoring zu fortzusetzen. Deshalb müssen auch kleine Fließgewässer in das behördliche Monitoring einbezogen werden, um einen guten Zustand unserer Gewässer zu erreichen. Im Pilotprojekt wurden darüber hinaus etliche Wirkstoffe nachgewiesen, die bislang nicht im behördlichen Monitoring erfasst werden. Diese ökologisch hoch relevanten Stoffe müssen künftig dringend berücksichtigt werden."

 

Wir hatten hier schon mehrfach über Studien zum Kleingewässermonitoring berichtet. In der Studie finden sich die wesentlichen Aussagen dieser Studien wieder.

- es fehlt ein systematisches Monitoring von Kleingewässern

- amtliches Monitoring findet in der Regel unabhängig von Niederschlägen statt und unterschätzt damit die tatsächliche Belastung, ereignisbezogene Probennahmen sind allerdings sehr aufwändig und für einen repräsentativen Überblick nicht zu leisten.

- die in der Vergangenheit festgelegten Massnahmen zur Begrenzung von Umweltschäden zeigen keine ausreichende Wirkung

- Befunde von Grenzwertüberschreitungen sind erhöht in Gebieten mit landwirtschaftlicher Nutzung

- eine sehr wirksame Massnahme wären Gewässerrandstreifen, allerdings sollten sie erheblich breiter sein als bisher gefordert

Zur Datenerhebung:

- biologisches Monitoring (SPEAR-Index) liefert valide Daten und sollte ausgeweitet werden

- es fehlen bundesweit vergleichbare Daten

- eine repräsentative Auswahl von Probennahmestellen ist nötig

- einige Daten zu Aufwandsmengen von Pestiziden, die der NABU teils (Niedersachsen) gerichtlich erstreiten mußte waren sehr hilfreich und zeigten den Zusammenhang von Pestizideinsatz mit Gewässerbelastungen

- es fehlen (freiwillig gelieferte) Daten zu tatsächlichen Aufwandsmengen von Pestiziden und Herbiziden

 

 

 

NABU-Klagen zur Herausgabe von Aufwandsmengen

NABU-Position zur "Minimierung des Pestizideinsatzes in Deutschland“

 

Bernd Wille

 

 

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