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Correktiv-Artikel: Industriechemikalien im Rhein (und anderswo)

Correctiv-Artikel über Verschmutzung im Rhein

 https://correctiv.org/aktuelles/kampf-um-wasser/2026/02/03/wie-die-industrie-den-rhein-mit-unbekannten-stoffen-verschmutzt/

 

Stellungnahme dazu, abgegeben in meinem Namen aber als BFA-Sprecher:

 

Toxische Substanzen in Oberflächengewässern schädigen Wasserlebewesen, reduzieren die Biodiversität und bedrohen inzwischen auch die menschliche Gesundheit. Die UN-Umweltorganisation (UNEP) spricht neben Klima- und Biodiversitätskrise inzwischen auch von einer Verschmutzungskrise.

Eine erstaunliche Zahl von Chemikalien wird etwa in Nahrungsmittelkontaktmaterialien und in der industriellen Produktion eingesetzt. Das Konzept der „planetaren Belastungsgrenzen“ (für sicheres Leben auf unserm Planeten) zeigt, dass die Grenze für neue Substanzen überschritten ist (1), weil deutlich mehr Stoffe entwickelt und freigesetzt werden, als Behörden und Wissenschaft überhaupt bewerten können.
Solange industrielle Zwischenprodukte (hier Methylstyrol - dort ist allerdings die Toxikologie nur zu bekannt) weder deklariert noch systematisch untersucht werden müssen, wird sich an dieser Krisensituation nichts ändern. Notwendig ist mehr Forschung an unabhängigen Instituten, finanziert aber nicht kontrolliert von der Industrie sowie eine konsequente Anwendung des Vorsorgeprinzips. Die Identifizierung und Bewertung unbekannter Substanzen ist jedoch ein langwieriger Prozess.

Angesichts dieser Lage sollten wir uns auf die anderen in der Correctiv-Studie beschriebenen, bereits bekannten Gefahren konzentrieren. Leider steuert die aktuelle EU- und Bundespolitik beherzt in die entgegengesetzte Richtung:
Aktuelle Probleme sind:
- REACH-Reform wird verschleppt obwohl das Verfahren zu langsam ist und 70% der Dossiers unvollständig sind. REACH ist die Registrierung und Bewertung von Chemikalien vorerst ab 1 t Produktionsvolumen und galt einmal als weltweit führend.
- Pestizide (hier Metazachlor, zugelassen aber karzinogen Kategorie 2) gelangen von jedem Acker und aus der Industrieproduktion in die Gewässer. Die angestrebte Halbierung des Einsatzes bis 2030 ist gestoppt (2). Man diskutiert sogar ob die regelmäßige Überprüfung von Zulassungen gestoppt werden soll.
- Diverse Spurenstoffe, Pestizide, Arzneimittel und Industriechemikalien (hier Benzothiazol) gefährden als bekannte Mikroschadstoffe Organismen in Oberflächengewässern und auch unser Trinkwasser. Die neue Kommunale Abwasserrichtline wird nur einen Teil davon reduzieren, die milliardenschwere Aufrüstung der Kläranlagen läuft bis 2045. Die Industrie klagt gerade gegen den Versuch, sie an den Kosten zu beteiligen.
- PFAS und das Abbauprodukt TFA finden sich in allen Oberflächengewässern und inzwischen auch in Trink- und Mineralwasser. Die Industrie kennt das Problem seit 50 Jahren, die Fachwelt seit 2005. Die EU-Regulierung dieser Stoffe wird gerade mit riesigem Lobbyaufwand verwässert und schließt Medikamente und Pestizide (eine der Hauptquellen von TFA) nicht ein.
- Es fehlen verbindliche Grenzwerte für die Einleitung bekannter Schadstoffe wie PFAS. Gerade hierzu gibt es seit Jahren Beschwerden niederländischer Wasserversorger (4) über Einleitungen in den Rhein, ohne dass in Deutschland wirksame Grenzwerte geschaffen wurden.

In diesem Sinne verweisen wir auch auf die NABU-Petition gegen den Abbau von Umweltbestimmungen:
https://aktiven-newsletter.nabu.de/c/114296651/83a915a3190-t9zqg

 

(1)https://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/acs.est.1c04158

(2)https://www.europarl.europa.eu/legislative-train/theme-a-european-green-deal/file-sustainable-use-of-pesticides-%E2%80%93-revision-of-the-eu-rules

(3) https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/abwasser/faq-zur-kommunalabwasserrichtlinie-karl#ehv

(4) https://www.riwa-rijn.org/en/publicatie/removal-requirement-and-purification-treatment-effort-for-the-dutch-rhine-water-from-2000-2018-2/

 

Bernd Wille

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