Da hat sich in einer unserer Sitzungen jemand darüber beschwert, dass es inzwischen schwierig wird, bestimmte Küchenuntensilien wie etwa Backpinsel in der konventionellen Form (Holz + Borsten natürlichen Ursprungs) zu bekommen. Auch Backformen sind immer häufiger aus Silikon. Wir sind dieser Frage mal nachgegangen.
Silikon gilt allgemein als unverdächtig. Bei näherer Betrachtung ergeben sich allerdings einige Probleme. Silikonplastik hat eine Temperaturbeständigkeit von 200-250 C. Oberhalb 150 C setzt es zykliche Siloxane frei, die nicht unbedenklich sind. Dieser Effekt kann zum Recycling eingesetzt werden um aus Silikonabfällen neues Monomer zu gewinnen. Einige der zyklischen Silikone wurden in Tierstudien mit endokrinen Wirkungen, Leber- und Fortpflanzungseffekten in Verbindung gebracht, allerdings meist bei deutlich höheren Dosen als übliche Haushalts-Expositionen. Eine nicht zu vernachlässigende Quelle sind Friseursalons wo durch die Erhitzung von Silikonölen in Haarsprays und Behandlungsmitteln hohe Dosen dieser Stoffe auftreten können.
Es gibt eine erhebliche Spannbreite bei der Qualität des Materials. Dabei spielt "Temperung" in der Produktion (Vorerhitzung) eine Rolle. Man sollte Silikon-Backformen möglichst bei guter Lüfung des Zimmers einige Zeit bei 200 C (oder der angegebenen Höchsttemperatur) vorbehandeln. Die eingesetzte Silikonqualität und spezielle Oberflächenbehandlungen haben hier auch einen Einfluss.
Was nicht als Backform deklariert ist kann eventuell nicht lebensmittelgeeignet sein und außerdem Weichmacher und Füllstoffe enthalten. Zur Kennzeichnung dient das Glas-Gabel-Symbol oder der explizite Hinweis "für Lebensmittel"
Auch der Einsatz bei Raumtemperatur hat seine unübersichtlichen Aspekte: eine Reihe von Studien finden, dass Silikone wie eigentlich alle Kunststoffe Mikroplastik und Nanoplastik freisetzen und zwar nicht nur am Ende der Nutzung sondern auch bei thermischer Belastung.
Es gibt Hinweise sowohl bei qualitativ hochwertigem Material als auch bei Backformen und sogar bei handelsüblichem Dichtmaterial. Es handelt sich hier um Einzelstudien da gerade Nanoplastik nur mit sehr aufwändigen Instrumenten detektiert werden kann und auch noch erhebliche methodische Entwicklungsarbeit zu leisten ist. Die Literatur über Mikroplastik bezieht sich in der Regel nicht auf Silikone und die toxikologische Bewertung der Befunde ist noch nicht immer schlüssig. Es wurde in Wasserorganismen "oxidativer Stress" nachgewiesen, also das Anstoßen von Stoffwechselwegen, die zur Beseitigung von Fremdkörpern im Organismus dienen, als Nebenwirkung aber auch Veränderung an körpereigenen Substanzen wie z.B. auch DNA führen können.
Fazit: nur hochwertiges Material verwenden, das ausdrücklich für Lebensmitteleinsatz deklariert ist. Backformen vor der ersten Verwendung ausheizen und beschädigtes, aufgerautes Material entsorgen.
Anderer Ansatz: es gibt (immer noch) emaillierte Metallformen oder Edelstahl und Pinsel und Küchenutensilien etc. aus natürlichen Materialien die man ohne profunde Chemiekenntnisse einsetzen kann. Wo es die Industrie nicht tut könnte man als Konsument ja mal auf das Vorsorgeprinzip setzen.
https://vki.at/vki-test-schadstoffe-silikon-backformen-mit-vorsicht-zu-geniessen/65966
Auf die berechtigte Frage was solche Themen denn in unserem Naturschützer-Blog zu suchen haben: jedes Kunststoffmaterial landet irgendwann auf einer Deponie und dann oft entweder als Mikroplastik in jedem Organismus oder als Plastikrest z.B. als Baumaterial im Nest oder schlimmer im Magen von Vögeln (nicht nur in Amsterdam sondern auch bei Basstölpeln auf Helgoland, Foto Bettina Freund).
Bernd Willle
Recherche von Sindy

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