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Nobelpreisträger-Aufruf gegen Gentechnik-Regulierung

https://www.theguardian.com/environment/2024/jan/19/nobel-laureates-call-on-eu-to-relax-rules-on-genetic-modification

Ursprünglicher Aufruf:
https://www.weplanet.org/ngtopenletter

Übersetzung des englichen Textes siehe unten

Ich melde mich als "reaktive(r) Anti-Wissenschafts-Lobbyist(en) in der Brüsseler Blase" (reactive anti-science lobbyist(s)) aus der "Dunkelheit der wissenschaftsfeindlichen Panikmache" (darkness of anti-science fearmongering).
Wenn man eine Diskussion führen will redet man am besten respektvoll mit Andersdenkenden. Hier allerdings wohl eher eine Diskussion beendet werden.
Argumente:
- Zucht klimaresilienter Pflanzen dauert zu lange.

Leider sind von den angekündigten Wunderpflanzen, die seit nunmehr mehr als 10 Jahren entwickelt werden immer noch praktisch keine auf dem Markt - außer "golden rice"mit Vitamin A, das auch risikolos als Vitaminpräparat gegeben werden könnte und Tomaten mit GABA-Gehalt zur Beruhigung. Nur ältere Entwicklungen mit konventionelle Gentechnik sind  in Entwicklungsländern mit wenig entwickelter Fachaufsicht in Einsatz, deren Erfolg ist sehr begrenzt. Weltweit im Einsatz sind dagegen konventionell gezüchtete dürreresistente Pflanzen.
Es hat wohlgemerkt niemand etwas gegen Neuentwicklungen. Es geht nur darum, sie vor der Freisetzung adäquat zu prüfen.

- Unbedingt gezüchtet werden müssen "spezielle Pflanzen wie Obstbäume oder Weinreben und Kartoffeln", die nicht gut konventionell gezüchtet werden können.

Diese Arten breiten sich nicht ungehemmt aus, die Risikoprüfung (außer vielleicht bei Kartoffeln) könnte ziemlich unaufwändig sein.

Allerdings würde die Umsetzung der Kommissions-Vorschläge auf längere Sicht viele traditionelle Zuchtbetriebe (das sind die langsamen mit der jahrzehntelangen Erfahrung) aus dem Markt drängen, die sich die Patentkosten nicht mehr leisten könnten. Nach dem EU-Kommissionsentwurf zur Deregulierung  könnten dann nämlich auch natürlich vorkommende Pflanzen, die zur Schaffung von gentechnischen Varianten benutzt wurden patentiert werden und fielen für kleine Züchter dann aus.

- "Der verantwortungsvolle Einsatz von NGTs, den die Gesetzgebung ermöglichen könnte, kann einen wichtigen Beitrag zu unserem gemeinsamen Streben nach einer widerstandsfähigeren, umweltbewussten und ernährungssicheren Zukunft leisten. " - es fehlen wie gesagt entsprechende Belege.

- "jährlich 300 Milliarden Euro an "entgangenen Vorteilen" in verschiedenen Sektoren kosten könnte. Dies sind die Kosten für ein Nein zum wissenschaftlichen Fortschritt."

Die zitierte Studie kommt von Breakthroug Institute in Berkely, das sich durch Aussagen hervorgetan hat wie die, die Umweltbewegung müsse "sterben" damit die Klimaprobleme technologisch gelöst werden können. (“Death of Environmentalism: Global Warming Politics in a Post-Environmental World.” Garofoli, Joe (June 16, 2011),  "Thinkers take liberalism apart in order to save it". San Francisco Chronicle, zitiert nach Wikipaedia.)
Die volkswirtschaftlichen Kosten der Freisetzung einer wirklich schädlichen Neuentwicklung sollten auch bedacht werden. Die entgangenen Vorteile beim Zusammenbruch des Ökolandbaus wären ebenfalls ein Thema.

 - "nachhaltige Landwirtschaft, verbesserte Ernährungssicherheit und innovative medizinische Lösungen"
Hervorragenes Beispiel für eine - sagen wir mal - ziemlich unredliche Argumentation: niemand hat in diesem Zusammenhang von Medizin geredet. Nachhaltige Landwirtschaft ist so ziemlich das Gegenteil von dem was die Erzeugnisse von Bayer und Co. anrichten.

- "überwältigenden Mehrheit der Landwirte und echten Experten"
Die Umfrage unter den (welchen, wo?)  Landwirteen möchte ich sehen. Natürlich bin ich kein "echter" Experte, aber Nobelpreistäger in den Fachgebieten Ökonomie und  Physik kennen sich da sicher aus. Nobelpreisträger regieren naturgemäß und zu Recht sehr allergisch auf Einschränkungen der Forschung. Manchmal lesen sie aber das Kleingedruckte nicht so genau - etwa den Text des EU-Kommission-Vorschlags zur Deregulierung. Aber genau darum geht es hier.


Noch einmal: es handelt sich nicht um die Verhinderung von Forschung oder um Maschinenstürmerei sondern darum, nicht alle "segensreichen" Erfindungen von Firmen mit etwas angeschlagener Reputation ungeprüft und vor allem irreversibel auf die Welt loszulassen und es denen dann auch noch zu erlauben, konventionelle Züchtungen durch Patente massiv zu erschweren. Es handelt sich hier schlicht  um die Umsetzung des Vorsorgeprinzips. Die entsprechenden Konvientionen hat Deutschland unterschrieben.

 

Bernd Wille

 

 

Übersetzung des Aufrufs:

OFFENER BRIEF

https://www.weplanet.org/ngtopenletter
35 Nobelpreisträger und über 1.000 Wissenschaftler fordern die Europaabgeordneten auf, neue Genomtechniken zu unterstützen

Sehr geehrte Mitglieder des Europäischen Parlaments,

in diesen Zeiten der Klimakrise, des Verlusts der biologischen Vielfalt und der erneuten Ernährungsunsicherheit ist ein wissenschaftlicher und evidenzbasierter Ansatz in jeder Hinsicht unerlässlich. Mehr denn je müssen wir uns über Ideologie und Dogmatismus hinwegsetzen. Deshalb wenden wir, die Unterzeichnenden, uns an Sie und bitten Sie dringend, bei Ihren anstehenden parlamentarischen Entscheidungen die Vorteile der Neuen Genomischen Techniken (NGT) sorgfältig zu prüfen.

Als besorgte Bürger, die an die Macht der Wissenschaft glauben, um unser Leben und unsere Beziehung zum Planeten zu verbessern, bitten wir Sie inständig, für die NGTs zu stimmen und Ihre Entscheidungen mit den Fortschritten im wissenschaftlichen Verständnis in Einklang zu bringen. Die konventionelle Züchtung von klimaresistenten Pflanzen (mit Einkreuzung bestimmter Merkmale, anschließender Selektion und Rückkreuzung zur Entfernung unerwünschter Merkmale) ist zu zeitaufwändig. Sie dauert Jahre, sogar Jahrzehnte. Diese Zeit haben wir im Zeitalter des Klimanotstands nicht.  

Es gibt auch viele Pflanzen, die aufgrund ihrer spezifischen genetischen Merkmale mit herkömmlichen Mitteln nur sehr schwer zu züchten sind, wie Obstbäume, Weinreben oder Kartoffeln. Und gerade diese Pflanzen benötigen die meisten der schädlichen Pestizide, die in der Europäischen Union zum Schutz vor Schädlingen und Krankheiten eingesetzt werden. Aber genau wie bei der Klimaresilienz können NGTs diese Situation dramatisch verbessern. NGTs helfen, Nutzpflanzen durch präzise und gezielte Eingriffe in ihren genetischen Code widerstandsfähiger gegen Krankheiten zu machen, wodurch unsere ehrgeizigen und wichtigen Ziele der Pestizidreduzierung möglich werden und gleichzeitig die Erträge der Landwirte geschützt werden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele der hart arbeitenden Landwirte in Europa - darunter eine wachsende Zahl von Biobauern - begeisterte Befürworter von NGTs sind.

Aus diesem Grund müssen schnelle, gezielte und günstige Züchtungsmethoden in den Werkzeugkasten der Pflanzenzüchter aufgenommen werden. Der Gesetzesentwurf zur Regulierung von NGT-Pflanzen ist daher ein wichtiger Schritt, den wir im Hinblick auf unseren Auftrag, die ökologische Nachhaltigkeit in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Energie zu stärken, unterstützen. Der verantwortungsvolle Einsatz von NGTs, den die Gesetzgebung ermöglichen könnte, kann einen wichtigen Beitrag zu unserem gemeinsamen Streben nach einer widerstandsfähigeren, umweltbewussten und ernährungssicheren Zukunft leisten.

NGTs versprechen viel für eine nachhaltige Landwirtschaft, verbesserte Ernährungssicherheit und innovative medizinische Lösungen. Die Chancen könnten aber auch in neuen Arbeitsplätzen und größerem wirtschaftlichen Wohlstand gesehen werden. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht hat gezeigt, dass die Nichtzulassung von NGT die europäische Wirtschaft jährlich 300 Milliarden Euro an "entgangenen Vorteilen" in verschiedenen Sektoren kosten könnte. Dies sind die Kosten für ein Nein zum wissenschaftlichen Fortschritt.

 
Wir, die Unterzeichnenden, fordern Sie daher auf, sich mit der überwältigenden Mehrheit der Landwirte und echten Experten auseinanderzusetzen und nicht mit reaktiven Anti-Wissenschafts-Lobbyisten in der Brüsseler Blase. Wir bitten Sie, die unbestreitbaren wissenschaftlichen Beweise zu berücksichtigen, die für die NGTs sprechen, und Entscheidungen zu treffen, die den Interessen der Europäischen Union und ihrer Bürger gerecht werden. Ihre Unterstützung für NGTs wird nicht nur die Innovation fördern, sondern die EU auch als Vorreiter für eine verantwortungsvolle und evidenzbasierte Politikgestaltung in der ganzen Welt positionieren. Führende Politiker in Afrika zum Beispiel beobachten genau, wie Sie sich entscheiden, ebenso wie afrikanische Wissenschaftler, die klimaresistente Maniok-, Bananen-, Mais- und andere Grundnahrungsmittelkulturen auf den Weg gebracht haben.


Wir wissen Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit zu schätzen und vertrauen darauf, dass das EU-Parlament mit Ihrer Unterstützung die Dunkelheit der wissenschaftsfeindlichen Panikmache zurückweisen und stattdessen dem Licht des Wohlstands und des Fortschritts entgegensehen kann.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

 

 

 

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