Wir befinden uns noch mitten in der Diskussion über die europäische PFAS-Regulierung auf Initiative von Norwegen, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und Schweden. Die EU-Kommission hat im letzten Entwurf die Regelung ziemlich abgeschwächt indem einige Bereiche ganz herausgenommen wurden und diverse "Derogations" - also Aufschübe von Regelungen eingeführt wurden.
Eine Reihe von neuen Arbeiten (z.B. Arp et. al. Global Threat...: https://doi.org/10.1021/acs.est.4c06189) untersuchen die möglichen Quellen für TFA (das persistente PFAS Transformationsprodukt Trifluoressigsäure) und speziell eine Studie aus der Schweiz (Henne, S., Storck, F. R., Wöhrnschimmel, H., Leuenberger, M., Vollmer, M. K., and Reimann, S.: Trifluoroacetate (TFA) in precipitation and surface waters in Switzerland: trends, source attribution, and budget, Atmos. Chem. Phys., 25, 18157–18186, https://doi.org/10.5194/acp-25-18157-2025, 2025) liefert ein Modell mit dem sich Einträge abschätzen lassen. TFA ist auf dem Wege, zu einem kaum lösbaren Problem für unsere Trinkwasserresevoirs zu werden.
Hauptquellen für TFA sind demnach Einträge aus dem Abbau von fluorierten Gasen und von Pestiziden und Arzneimitteln. Dazu kommen industrielle Einträge.
Es ist nicht einfach, sich einen Überblick über die Debatte (Tausende von Einwendungen bei der Europäischen Umweltbehörde ECHA) zur geplanten Regelung zu verschaffen. Die ECHA hat allerdings eine Einführung veröffenlicht:
sowie etwas wie einen Guide zur Übersetzung der darin benutzen Kategorien https://echa.europa.eu/documents/10162/17091/pfas_use-mapping_annex_to_guidance_for_respondents_en.pdf/e242dcf0-0aab-2619-234e-09445bb181c5?t=1765893415372
In der Einführung findet man als Hauptkategorien für die Nutzung von PFAS "fluorierte Gase" und - etwas irritierend "Transport". Im Guide gibt es dann die Entschlüsselung:
(1)"Die Bewertung des Verkehrssektors umfasst die Verwendung von PFAS in Transportfahrzeugen, mobilen Maschinen und der dazugehörigen Infrastruktur. Beispiele hierfür sind Kraftfahrzeuge, Luft- und Raumfahrzeuge, Wasserfahrzeuge, Schienenfahrzeuge, Land- und Forstwirtschaftsfahrzeuge, Bau- und Industriefahrzeuge sowie die verkehrsbezogene Infrastruktur."
Nicht berücksichtigt: Dichtungen, Schmiermittel, Textilien, Metallbeschichtung, Halbleiter
für den so zur Überkategorie gewordenen Transportsektor gibt es im Entwurf von 2025 einen Aufschub von 6,5 Jahren für leichte Elektrofahrzeuge und von 13.5 Jahren für alle anderen Fahrzeuge für:
5.q - Kühlmittel in mobilen Kühlsystemen und Wärmepumpen (p. 29)
und 13.5 Jahre für (6f. i) Fahrzeugsysteme, Komponenten und technische Einheiten, die eine EU-Typzulassung haben und (6f.ii) für solche Systeme, in denen Fluoropolymere und Perfluorpolyether strikt nötig sind für Sicherheit und Umweltperformance dieser Fahrzeuge.
Wir wissen, dass Fluoropolymere sehr hohe Produktionsvolumina haben (dieser Blog) und wir wissen sehr wenig über Abbau und Toxikologie diesern Polymere. Sie sind allerdings Quellen für niedermolekulare PFAS und TFA. Fluorierte Gase aus Klimaanlagen etc. sind eine der TFA-Hauptquellen.
Die Selbsteinschätzung der Genehmigungsbehörde ist denn auch (in der Einführung):
Emissionsminderung für das Schema R0, (d.h. sofortiges Verbot von PFAS) 94%, sehr wirksam, für R1 und R2 (das sind die Regulierungs-Vorschläge mit Aufschüben): 61-64%. Die Wirtschaftliche Beurteilung (Proportinality) ergibt für R0 "wahrscheinlich nicht angemessen", für die anderen "nicht effektiv genug". Damit hätte man sich vielleicht Gedanken über andere Schemata machen müssen - hat man aber nicht.
Die anderen wichtigen TFA-Quellen sind Pestizide (PPA "plant protection agents"), und Medikamente. Für beide Stoffklassen gibt es einen "indefinite" (ich fürchte ich muss das mit unendlich übersetzen) Aufschub.
Die ebenfalls wichtige Kategorie Industrieabwässer müßte im ECHA-Schema wohl zueinem guten Teil unter "broader industrial uses" fallen. Dieser Bereich ist unter denen, die aus Zeitmangel noch nicht angegangen worden sind (https://echa.europa.eu/documents/10162/111425157/echa_update_pfas_en.pdf/6775e241-204e-af0a-a2d0-4c16ba2c138d?t=1756287349062).
Damit dürfte feststehen, dass die Vorschläge zur Regulierung aus diesem Entwurf insgesamt "nicht effektiv genug" sind um uns in Bezug auf TFA-Einträge weiterzubringen. Für die nächsten Protestschreiben von NGOs an die EU-Kommission sollte man dieses Defizit vielleicht berücksichtigen.
Bernd Wille
(1)"The assessment of the Transport sector covers the uses of PFAS in transport vehicles, mobile machinery, and associated infrastructure. Examples are automotive vehicles, aerospace vehicles, watercraft vehicles, rail vehicles, agricultural and forestry vehicles, construction and industrial vehicles, and transport-related infrastructure." Guide, a.a.O.

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